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Magazin · Recht, ruhig erklärt

Abends noch am Laptop: Ist das Arbeitszeit?

Kurz gesagt

Ja. Wenn du abends zu Hause Mails beantwortest oder an einer Präsentation sitzt, ist das Arbeitszeit, denn das Arbeitszeitgesetz kennt keinen Ort. Nur ganz kurze Sachen, etwa eine SMS mit dem Dienstplan lesen, zählen nach dem Bundesarbeitsgericht nicht. Schreib die Zeit auf. Für die Ruhezeit ist dein Arbeitgeber verantwortlich, nicht du.

Von Fieravend · Heidrich Digital · Veröffentlicht · Stand 20. Oktober 2026 · Lesezeit 6 Minuten

Arbeit ist Arbeit, auch auf dem Sofa

Mira arbeitet in einer Agentur. Um 18 Uhr fährt sie nach Hause, um 21:30 Uhr klappt sie den Laptop noch einmal auf, weil ein Kunde morgen früh die Präsentation will. Eine Stunde später ist sie fertig. Viele würden sagen: Das war doch nur kurz, und freiwillig. Für das Gesetz ist es Arbeitszeit.

§ 2 des Arbeitszeitgesetzes beschreibt Arbeitszeit als die Zeit vom Beginn bis zum Ende der Arbeit, ohne die Pausen. Ein Ort steht da nicht. Es zählt, dass du arbeitest, nicht wo. Das gilt im Büro, im Homeoffice, im Zug und auf dem Sofa. Arbeitest du für zwei Arbeitgeber, werden die Zeiten sogar zusammengerechnet.

Was nicht zählt

Nicht jeder Blick aufs Handy ist Arbeit. Das Bundesarbeitsgericht hatte 2023 den Fall eines Notfallsanitäters, der in seiner Freizeit eine SMS mit seinem Dienst für den nächsten Tag lesen sollte. Das Gericht sagte: Das Lesen ist keine Arbeitszeit. Der Moment sei „zeitlich derart geringfügig“, und er konnte selbst wählen, wann er die Nachricht liest. Die Ruhezeit wird dadurch nicht unterbrochen.

Auch wer nur erreichbar ist und nichts tut, arbeitet in der Regel nicht. Anders sieht es aus, sobald du wirklich etwas erledigst: Mails beantworten, ein Dokument fertig machen, einen Anruf führen. Wo genau die Grenze liegt, ist nicht für jeden Fall entschieden. Als Faustregel hilft: Würdest du es im Büro als Arbeit aufschreiben, schreib es auch abends auf.

Und die Ruhezeit?

Nach dem Ende der täglichen Arbeitszeit sind in Deutschland mindestens elf Stunden ununterbrochene Ruhe vorgesehen (§ 5 ArbZG). Die EU-Arbeitszeitrichtlinie nennt dieselben elf Stunden je 24 Stunden. Hat Mira bis 22:30 Uhr gearbeitet, wären es bis zum nächsten Arbeitsbeginn elf Stunden bis 9:30 Uhr.

Das heißt nicht, dass Mira etwas falsch gemacht hat. Das Arbeitszeitgesetz richtet sich an den Arbeitgeber: Ordnungswidrig handelt nach § 22, wer als Arbeitgeber die Ruhezeit nicht gewährt. Du riskierst durch dein Aufschreiben nichts. Im Gegenteil, ohne Aufzeichnung sieht niemand, dass der Abend überhaupt stattgefunden hat.

Fieravend zeigt so etwas als ruhigen Hinweis, nie als Alarm: wann du aufgehört hast, wann du wieder angefangen hast, wie viel Abstand dazwischen lag. Kein Rot, kein „Verstoß“. Was du daraus machst, entscheidest du.

Aufschreiben, auch wenn der Chef es „nicht will“

Manche Arbeitgeber sagen: Abends wird nicht gearbeitet, also gibt es dafür auch keine Zeit. Deine eigenen Notizen über deine eigene Arbeit sind trotzdem deine Sache. Kein Gesetz, das wir kennen, verbietet dir, für dich aufzuschreiben, wann du gearbeitet hast. Achte nur darauf, keine Kundendaten oder Geschäftsgeheimnisse in Notizen zu schreiben.

Ob du für die Abendstunde Geld bekommst, ist eine andere Frage. Dafür kommt es nach dem Bundesarbeitsgericht auch darauf an, ob der Arbeitgeber die Arbeit angeordnet, gebilligt oder geduldet hat, oder ob sie nötig war. Darum lohnt sich eine kurze Notiz: „Kunde will Präsentation bis 8 Uhr, Chefin hat um 17:50 Uhr gefragt.“ Mehr dazu im Artikel Wer hat die Überstunden angeordnet?.

So hältst du den Abend fest

  • Gleich danach eintragenBeginn und Ende, oder wenigstens die Dauer. Am nächsten Morgen weißt du es oft schon nicht mehr genau.
  • Als eigenen BlockNicht zum Arbeitstag dazuschlagen. Ein eigener Block zeigt, dass die Arbeit am Abend war, und macht den Abstand zum nächsten Morgen sichtbar.
  • Mit einem Satz zum AnlassWer hat gefragt, was war fällig. Das reicht.
  • Nachgetragen ist okayIn Fieravend bleibt ein nachgetragener Block als „nachgetragen“ markiert. Das ist ehrlich und macht deinen Zettel glaubwürdiger, nicht schwächer.

Ein Blick über den Tellerrand

Australien hat 2024 ein „Recht auf Nichterreichbarkeit“ eingeführt, seit August 2025 gilt es auch in kleinen Betrieben. Beschäftigte dürfen dort Kontakt außerhalb der Arbeitszeit ignorieren, solange das nicht unangemessen ist. In Deutschland gibt es so ein Gesetz nicht. Umso mehr hilft es, wenn du selbst siehst, wie oft der Feierabend eigentlich keiner war.

Kurz gefragt

Ist es Arbeitszeit, wenn ich abends zu Hause Mails beantworte?
Ja. Das Arbeitszeitgesetz kennt keinen Ort. Wer arbeitet, arbeitet, auch zu Hause und auch abends.
Ist das kurze Lesen einer Nachricht vom Arbeitgeber Arbeitszeit?
Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts von 2023 nicht, wenn es nur um einen ganz kurzen Moment geht, etwa eine SMS mit dem Dienstplan für morgen (5 AZR 349/22).
Mache ich etwas falsch, wenn meine Ruhezeit dadurch kürzer als elf Stunden ist?
Die Pflicht, Ruhezeit zu gewähren, trifft nach dem Arbeitszeitgesetz den Arbeitgeber. Schreib die Zeit trotzdem ehrlich auf.

Quellen

  1. § 2 Arbeitszeitgesetz (Begriff Arbeitszeit)
  2. § 5 Arbeitszeitgesetz (Ruhezeit)
  3. § 22 Arbeitszeitgesetz (Bußgeldvorschriften, Arbeitgeber)
  4. BAG, Urteil vom 23.08.2023, 5 AZR 349/22 (Rn. 48–50)
  5. BAG, Urteil vom 04.05.2022, 5 AZR 359/21
  6. Richtlinie 2003/88/EG, Art. 3 (tägliche Ruhezeit)
  7. Fair Work Ombudsman (Australien): Right to disconnect

Alle Quellen abgerufen am 20. Oktober 2026. Dieser Artikel erklärt allgemein und ist keine Rechtsberatung. Bei Fragen zu deinem Fall helfen Betriebsrat, Gewerkschaft, Arbeiterkammer (AT) oder eine Fachanwältin für Arbeitsrecht.

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